Ansichten vom Niederrhein (II)

Haben die deutschen Stämme unterschiedliche Mentalitäten? Gibt es den sturen Westfalen, den fleißigen, zugleich behäbigen Schwaben, den wortkargen, abweisenden Märker, den fröhlichen Rheinländer wirklich? Und haben sich diese landschaftlich geprägten Sinnesarten erhalten, gibt es Restbestände, welchen Veränderungen unterliegen sie? Die subjektive Empirie von Reisenden, sofern aufgezeichnet, gesammelt und von Sozialgeschichtlern ausgewertet wird später Antworten geben können.

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Ansichten vom Niederrhein

„Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zumute. Ich bin dort geboren, und es ist mir, als müsste ich gleich nach Hause gehen.“   Heinrich Heine

Wenn man in seine Heimatstadt kommt, die man vor Jahrzehnten als Wohnsitz aufgegeben, danach aber häufig besucht  hat, sind die Sinne bei jeder neuen Annäherung auf Verändertes ebenso gerichtet, wie auf das in der Jugend Gekannte. Wer also Düsseldorf oder jeden beliebigen bedeutsamen  Ort wiedersieht, arbeitet  an seinem Lebenskontext. Vielleicht kann der ortskundige zeitweilige Heimkehrer sich mit besserem Gewissen durch die Stadt treiben lassen als der neugierige Tourist, der er aber auch ist und bleibt.

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D-dorfer Moderne

Gespiegelt: Dreischeibenhaus, zuvor Thyssen-Haus, Zeugnis der Nachkriegsmoderne

Schon klar: die längste Theke der Welt, Karneval, Shoppen auf der Kö – es gibt viele Gründe, nach Düsseldorf zu fahren. Dass moderne Architektur die Stadt prägt, mag sich bisher weniger herumgesprochen haben. Berliner Kleingeistern, die mit gerasterten Fassaden und einheitlichen Traufhöhen zufrieden sind, sei eine Besichtigung dringend empfohlen. Weiterlesen

Der vom Rübengarten

So heißt er nicht, obwohl dies eine annähernde Übersetzung aus dem Flandrischen wäre. In zeitgenössischen Dokumenten geistert er als Bethovn, Bethowen, Bethofn herum, denn damals gab es noch keine normierte Schreibung. Sein aktueller Biograf verwendet (wohl aus Marketinggründen) Beethvn und die Stadt Bonn BTHVN. Nun ja. Am gestrigen 250. Tauftag (sein Geburtstag ist unbekannt) war jedenfalls nicht an Beethoven vorbeizukommen. Printmedien, Fernsehsender und Rundfunkanstalten rühmten den Jubilar. Live aus Bonn wurde u.a. die Fünfte Sinfonie übertragen, mit Daniel Barenboim und dem West-Eastern Divan Orchestra.

Auch wir hatten uns vorgenommen, das Jubiläumsjahr angemessen zu begehen und besuchten gleich am Silvesterabend 2019 eine Aufführung der 9. Sinfonie im Staatstheater Cottbus. Aus den bekannten Gründen kamen wir nicht dazu, weitere Live-Konzerte wahrzunehmen.

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Pirna

Rathaus, St. Marien, Canaletto-Haus, im Hintergrund Festung Sonnenstein

Welch ein Glück für das Stadt-Marketing, dass August III. im Jahr 1753 Bernardo Bellotto nach Pirna schickte. Der fleißige Maler, der sich nach seinem bereits berühmten Onkel Antonio Canal „Canaletto“ nannte, schuf dort zehn Gemälde, darunter „Der Marktplatz zu Pirna“. Heute befindet sich die Touristeninformation im so genannten Canaletto-Haus, das schönste Café der Stadt benannte sich nach dem Maler und zwischen alten Bäumen führt ein Canaletto-Weg von der Schifftorvorstadt zu den Terrassen unterhalb der Festung Sonnenstein.

Seit dem 15, Mai ist der Tourismus nach Sachsen wieder zugelassen und so konnten wir unsere schon vor längerer Zeit gebuchte Ferienwohnung tatsächlich beziehen.

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Buchinger in Bevensen

Die Ratsapotheke – das älteste Haus der Stadt.

Im Dezember kam einiges zusammen: diverse Advents- bzw. Jahresabschlussfeiern, das Plätzchenpaket von Tante Marlene, die Weihnachtsgans bei Angela, so dass die gewohnte Bekleidung zwickte und zwackte und der morgendliche Blick auf die Waage zur Mutprobe wurde. Zudem haben wir mehrfach gute Erfahrungen mit dem Fasten gemacht, im Ergebnis neben dem Gewichtsverlust eine allgemeine Belebung und sehr deutliche Blutdrucksenkung. Nach dem Bayrischen Wald und der Sächsischen Schweiz in den Vorjahren fiel diesmal die Wahl auf die Lüneburger Heide. Bad Bevensen ist gut mit der Bahn erreichbar und bietet alle nur denkbaren Annehmlichkeiten für den Kurgast. Bei Langeweile sind Ülzen und Lüneburg schnell erreichbar.

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Adeste fideles!

Weihnachtsmärkte können einen fertigmachen. Die einen sind eine Kirmes (der Berliner sagt dazu treffend Rummel) mit Fahrgeschäften, Losverkauf und Schlagerberieselung, die anderen bieten nur Fressbuden mit Glühweinausschank und „Jingle-Bells“-Dauerschleife. Wäre ein Kunsthandwerker-Markt die Alternative? Gefilztes, Gestricktes, Getöpfertes? Bitte, wem’s gefällt bzw. wer noch ein Geschenk braucht… Aber was hat das mit Weihnachten zu tun? Ach ja, es gibt Strohsterne zu kaufen.

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Point of no return

So empfängt Leipzig seine Gäste, die vom Bahnhof kommend in Richtung Innenstadt laufen.

Die sogenannten runden Geburtstage werden oft besonders aufwendig gefeiert. Ähnliches passiert bei Jahrestagen Jubiläen, wenn genau ein, zwei, drei … Dekaden nach dem zu erinnernden Datum verstrichen sind. Während bei Geburtstagen die Reden im privaten Kreis verbleiben, wird das historisch bedeutsame Ereignis öffentlich schon gewürdigt, wenn es sich nähert. So auch aus Anlass der Grenzöffnung im November 1989.

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Jüdisches Leben in Miltenberg

Wer auf dem Nibelungensteig wandert und, von Amorbach kommend, nach Miltenberg gelangt, wird sich nach der Waldeseinsamkeit nicht nur über die Touristengruppen wundern, die sich durch die Fachwerkstadt schieben, sondern auch sehr bald auf eine Vielzahl von Stolpersteinen aufmerksam werden, die Gunter Demnig hier verlegt hat. Es sind inzwischen 45, mehr sind geplant. Weiterlesen