Spaziergang durch die Barlachstadt

Vom Ernst-Barlach-Museum, das sich unmittelbar neben dem Atelierhaus des Künstlers befindet, führt ein schöner Spazierweg, teils am Seeufer entlang, in den historischen Stadtkern Güstrows , der von zwei mächtigen Kirchen dominiert wird. Unweit des Marktplatzes, der von gut restaurierten Renaissance-Häusern gesäumt ist, thront die Evangelische Pfarrkirche St. Marien, deren wertvollster Kunstschatz ein spätmittelalterlicher Flügelaltar ist. An einem Pfeiler hängt ganz unspektakulär der Engel der Hoffnung, ein Terrakottarelief Barlachs.

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Aus der Ferne

Bruno Krauskopf: Norwegische Landschaft (1934); Sammlung Memoria

Der Titel der Ausstellung ist Programm. Thomas B. Schumann, von dem auf diesen Seiten schon die Rede war, sammelt seit seiner Jugendzeit Werke von Künstlern, die vor und während der NS-Herrschaft ins Exil getrieben wurden und teilweise auch in der Nachkriegszeit keinen Anschluss mehr an den Kunstmarkt fanden. Erst in jüngster Zeit sind einige von ihnen, z. B. Lotte Laserstein und Charlotte Berend-Corinth, „wiederentdeckt“ und in Ausstellungen präsentiert worden. Thomas B. Schumann verleiht seine Schätze großzügig, zuletzt an die Ernst Barlach Stiftung in Güstrow, aber er konnte immer noch nicht seinen Lebenstraum realisieren: ein Museum des Exils als dauerhafte Bleibe für seine Sammlung Memoria zu gründen, möglichst im Rheinland.

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Verkannt, verdrängt, vergessen

Das Bauhaus-Gebäude in Weimar, erbaut 1904-1911 von Henry van de Velde. Foto: Ralf Hermann/Wikipedia

Wer kennt nicht die hell- und mittelblau gestreiften Keramikarbeiten von Hedwig Bollhagen aus Marwitz, die auf der Unterseite ein eingeritztes oder aufgemaltes HB als Markenzeichen tragen? Das berühmte Dekor prangt auf Butter- und Keksdosen, Tassen und Tellern und wird seit Jahrzehnten gern gekauft. Bollhagen übernahm 1934 eine bestehende Keramik-Werkstatt, die sie ab 1946 selbstständig leitete und erfolgreich durch Verstaatlichung und Reprivatisierung führte. Die Jahreszahlen sollten indes aufhorchen lassen, vor allem wenn man weiß, dass die Vorbesitzerin Margarete  Heymann-Loebenstein nach England emigrieren musste. Die geschönte Firmengeschichte, die sich vielerorts findet, verschweigt manches.

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Das Bauhaus in Weimar

1995 war ein kleiner Bestand der Bauhaus-Sammlung in einem Provisorium, der Remise am Theaterplatz, untergebracht worden. Der Museumsbesuch war für Enthusiasten oft enttäuschend. Seit kurzem lohnt es sich aber wieder, Weimar nicht nur der Klassiker wegen zu besuchen.

Das neue Bauhaus-Museum, 2019 zum 100-jährigen Gründungsjubiläum eröffnet (Architektin: Heike Kanada), ein Kubus mit 5 Ebenen, durch 24 horizontale LED-Linien gegliedert, die bei Dunkelheit leuchten.

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Nach Weimar

Eigentlich wollten wir die BUGA in Erfurt besuchen, aber bei der Annäherung an das Ausstellungsgelände im ega-Park sahen wir nacheinander einen wegen Überfüllung geschlossenen Parkplatz, Menschentrauben vor den Eingängen und von Reisebussen herbeiströmende weitere Hundertschaften. So viel drangvolle Enge schreckte uns ab, zumal in Zeiten von COVID. Also gleich weiter nach Weimar!

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Ansichten vom Niederrhein (III)

Der Tag vor der Abreise soll ohne fest geplante Ziele verlaufen.  In der Rückschau erweist sich jedoch meist, dass man Orte die angesteuert hat, die man immer aufsucht: das Senflädchen, den Kultbäcker Hinkel, den Arganölimporteur am Karlsplatz und nach dem Besuch des dortigen  Markts mit Produkten niederrheinischer Bauern das Café de Bretagne mit seinen Fischspezialitäten.

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Ansichten vom Niederrhein (II)

Haben die deutschen Stämme unterschiedliche Mentalitäten? Gibt es den sturen Westfalen, den fleißigen, zugleich behäbigen Schwaben, den wortkargen, abweisenden Märker, den fröhlichen Rheinländer wirklich? Und haben sich diese landschaftlich geprägten Sinnesarten erhalten, gibt es Restbestände, welchen Veränderungen unterliegen sie? Die subjektive Empirie von Reisenden, sofern aufgezeichnet, gesammelt und von Sozialgeschichtlern ausgewertet wird später Antworten geben können.

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Ansichten vom Niederrhein

„Die Stadt Düsseldorf ist sehr schön, und wenn man in der Ferne an sie denkt und zufällig dort geboren ist, wird einem wunderlich zumute. Ich bin dort geboren, und es ist mir, als müsste ich gleich nach Hause gehen.“   Heinrich Heine

Wenn man in seine Heimatstadt kommt, die man vor Jahrzehnten als Wohnsitz aufgegeben, danach aber häufig besucht  hat, sind die Sinne bei jeder neuen Annäherung auf Verändertes ebenso gerichtet, wie auf das in der Jugend Gekannte. Wer also Düsseldorf oder jeden beliebigen bedeutsamen  Ort wiedersieht, arbeitet  an seinem Lebenskontext. Vielleicht kann der ortskundige zeitweilige Heimkehrer sich mit besserem Gewissen durch die Stadt treiben lassen als der neugierige Tourist, der er aber auch ist und bleibt.

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D-dorfer Moderne

Gespiegelt: Dreischeibenhaus, zuvor Thyssen-Haus, Zeugnis der Nachkriegsmoderne

Schon klar: die längste Theke der Welt, Karneval, Shoppen auf der Kö – es gibt viele Gründe, nach Düsseldorf zu fahren. Dass moderne Architektur die Stadt prägt, mag sich bisher weniger herumgesprochen haben. Berliner Kleingeistern, die mit gerasterten Fassaden und einheitlichen Traufhöhen zufrieden sind, sei eine Besichtigung dringend empfohlen. Weiterlesen

Der vom Rübengarten

So heißt er nicht, obwohl dies eine annähernde Übersetzung aus dem Flandrischen wäre. In zeitgenössischen Dokumenten geistert er als Bethovn, Bethowen, Bethofn herum, denn damals gab es noch keine normierte Schreibung. Sein aktueller Biograf verwendet (wohl aus Marketinggründen) Beethvn und die Stadt Bonn BTHVN. Nun ja. Am gestrigen 250. Tauftag (sein Geburtstag ist unbekannt) war jedenfalls nicht an Beethoven vorbeizukommen. Printmedien, Fernsehsender und Rundfunkanstalten rühmten den Jubilar. Live aus Bonn wurde u.a. die Fünfte Sinfonie übertragen, mit Daniel Barenboim und dem West-Eastern Divan Orchestra.

Auch wir hatten uns vorgenommen, das Jubiläumsjahr angemessen zu begehen und besuchten gleich am Silvesterabend 2019 eine Aufführung der 9. Sinfonie im Staatstheater Cottbus. Aus den bekannten Gründen kamen wir nicht dazu, weitere Live-Konzerte wahrzunehmen.

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