Navigli und Altbekanntes

Das Viertel südlich des alten Stadttores Arco di Porta Ticinese ist von Kanälen durchzogen, die in das alte Hafenbecken Darsena münden. Hier wohnten bis ins 20. Jahrhundert Handwerker, deren kleine Häuser Wohnung und Werkstatt beherbergten. Seit den 1970er Jahren ging es mit dem Viertel bergab, vieles verfiel und verödete, bis der allseits bekannte Prozess der Gentrifizierung einsetzte. In Phase 1 kamen Künstler und Kreative, nutzten den billigen Wohnraum, gründeten Ateliers und Galerien. Cafés und Bars folgten. Phase 2: Die Szene der Amüsierwilligen folgte auf dem Fuße, die Journalisten berichteten, das Ambiente zog Investoren und Touristen an. Heute reiht sich ein Gastronomiebetrieb an den anderen. Menschen mit Rollkoffern laufen, nach ihrer bei Airbnb gebuchten Ferienwohnung suchend, an den Quais entlang, das polyglotte Stimmengewirr spricht für sich. Aber schön ist es doch…

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Tre torri, Sempione, Brera

Unweit von Santa Maria delle Grazie wartet das Kontrastprogramm: ein City Life genannter  neuer Stadtteil mit markanten Hochhäusern der Stararchitekten Daniel Libeskind, Arata Isozaki und Zaha Hadid sowie den von ihnen entworfenen Wohnhäusern. Ein Einkaufszentrum darf nicht fehlen, überraschend ist aber doch der kleine Kräutergarten, in dem gerade die Apfelbäume blühen. Der weitläufige Park wie auch die Einkaufszonen sind autofrei, unterirdisch können 7000 PKW parken. Das Bauland hatte sich ergeben, als die Mailänder Messe im Vorfeld der Expo 2015 ihr Ausstellungsgelände außerhalb des Zentrums neu gestaltete.

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Cenacolo

Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen. Und da sie aßen, sprach er: „Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.“ Und sie wurden sehr betrübt und hoben an, ein jeglicher unter ihnen, und sagten zu ihm: „Herr, bin ich’s?“ Er antwortete und sprach: „Der die Hand mit mir in die Schüssel getaucht hat, der wird mich verraten.“ Das ist der Moment.

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Die Alpen sehen

Turin mit Wolfsburg zu vergleichen, erscheint wie eine Majestätsbeleidigung. Und doch haben beide Städte gemeinsam, dass sie über Jahrzehnte vornehmlich als Produktionsstätten von Automobilen wahrgenommen wurden. 1899 gründeten „acht passionierte Automobilisten“, wie es im Reiseführer heißt, die Fabrica Italiana Automobile Torino, kurz FIAT. Zu den ersten Investoren gehörte der Sohn eines Großgrundbesitzers aus einem nahegelegenen Dorf : Giovanni Agnelli. Schon ein Jahr später übernahm er die Geschäfte, wurde Konstrukteur, Rennfahrer, Marketing- und Finanzstratege.

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Mercato Centrale

Es soll sich um einen der größten Lebensmittelmärkte Europas handeln. Unweit des ehemaligen Stadttores, nach dem er auch Mercato di Porta Palazzo genannt wird, findet an allen Werktagen ein quirliger Bauernmarkt statt, wo an der frischen Luft vor allem Obst und Gemüse angeboten werden. In den Markthallen finden sich Bäcker, Fischhändler und Metzger. Gegenüber der alten schmiedeeisernen Markthalle wurde 2019 eine zweite Halle gebaut, die an zahlreichen Ständen ein gastronomisches Angebot bereithält. Die Produkte sind mehr oder weniger dem Slow-Food-Prinzip verpflichtet: regional, saisonal, traditionell. Unter der Restaurantebene befinden sich ehemalige Eiskeller aus dem 18. Jahrhundert, gigantische Iglus aus Stein, die begehbar gemacht wurden und in der Zeit, als wir in Turin waren, eine Ausstellung über Carlo Levi präsentierten.

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Arkaden, Passagen, Plätze

Piazza Statuto und Via Garibaldi

Sich in Turin zu orientieren ist leicht. Vom Bahnhof Porta Nuova aus führt die Via Roma schnurgerade ins historische Zentrum. Man überquert die Piazza San Carlo und gelangt in wenigen Minuten zur Piazza Castello mit dem Palazzo Reale, dem Königspalast. Von dort führt die Via Garibaldi im rechten Winkel nach Westen, die Via Po etwas abgewinkelt nach Osten, zum Fluss. Kilometerlange Arkaden (Portici) schützen den Spaziergänger vor Regen und Hitze, vielfältige Geschäfte laden zur Betrachtung der Auslagen und zum Shopping ein, historische Cafés mit prächtigen Interieurs bieten sich für eine Verschnaufpause an. Und wenn es dann noch Frühling ist, kommen beim Flanieren schnell einige Kilometer zusammen, wie ein Blick auf den Schrittzähler am Abend zeigt.

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Neapolitanische Kaffeehäuser

Was treibt den Reisenden eigentlich in ganz bestimmte Lokale, um dort ein Frühstück einzunehmen, einen Apéro zu trinken, Zeitung zu lesen, eine kleine Speise zu verzehren? Es muss das besondere Fluidum sein, das man dort zu erleben hofft. Wien, Budapest, Prag gelten als Orte mit charakteristischen traditionellen Cafés, die in allgemeinen und speziellen Reiseführern als aufsuchenswert beschrieben werden. Aber auch italienische Städte bergen Kaffeehäuser, die so betrieben werden, dass der Gast sich zum Verweilen eingeladen fühlt. Schon bei unserem ersten Besuch in Neapel, 2019, auf der Rückreise von Sizilien, stand das Gran Caffè Gambrinus ganz oben auf der Prioritätenliste. Das Kaffeehaus wurde 1860 in zentraler Lage an der Piazza del Plebiscito, in der Nähe des Palazzo Reale und des Teatro San Carlo gegründet, konnte sich so rasch einer illustren Kundschaft erfreuen und wurde zum Hoflieferanten. Politiker, Musiker, Schriftsteller und sogar Sissi tranken hier Kaffee.  Weiterlesen

Herculaneum

Anders als Pompeji wurde Herculaneum nicht von Lapilli und Asche, sondern von Lava und Schlamm verschüttet. 1709 wurde es wiederentdeckt und schrittweise freigelegt. Auch hier dauern die Arbeiten an und sorgen immer wieder für Überraschungen. Da wegen der besonderen Bedingungen die Hausdächer nicht eingebrochen waren, sind viele Fresken gut erhalten. Das Bildprogramm dreht sich meist um den namensgebenden Helden Herkules, der durch seine dunklere Hautfarbe jeweils gut erkennbar ist. Die Ausgrabungsstätte Ercolano Scavi ist bequem mit der Bahn (Linea Circumvesuviana) zu erreichen; ein kurzer Spaziergang durch das pulsierende Städtchen führt zum Gelände. Hier ein paar Eindrücke:

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So fern, so nah

Pompeji empfängt in seinem dritten Leben, das 1748 beginnt, einen ständig wachsenden Strom von Besuchern. Waren es, als die ersten Ausgrabungen bekannt wurden, zunächst Bildungsreisende auf Grand Tour, so sind es vor der Pandemie vier Millionen Touristen pro Jahr gewesen. In seinem ersten Leben war Pompeji eine pulsierende Handelsstadt mit zwei Häfen, seit ca. 700 v. Chr. besiedelt, zunächst von den italischen Oskern, dann von Etruskern und Griechen. Besonders die samnitische Eroberung im 5. Jahrhundert hat in der Architektur und Dekoration Spuren hinterlassen. Erst im 3. Jh. vor Chr. kamen die Römer nach Kampanien, 80 v. Chr. wurde die Stadt zur römischen Kolonie. Als solche war ihr eine Existenz von knapp 160 Jahren vergönnt. Dann ereignete sich die Katastrophe.

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Mangiamo!

Eines der größten Vergnügen des Reisenden kann es sein, in fremden Ländern essen zu gehen, zumal in Italien. Man sollte sich nicht unbedingt auf TripAdvisor verlassen, der gern Schnellimbisse und Eisdielen auf seiner Hitliste anführt, eben das, was die jungen Fans der Bewertungsszene gut finden. Wir verlassen uns teils auf das Bauchgefühl (!), nur selten auf Reiseführer, wenn es geht, auf die Empfehlung verlässlicher Freunde.

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