Ein Land voll Geschichte

„Kalter scharfer Wind empfing mich auf der Höhe. Dicht in den Mantel gehüllt, sah ich ein schönes und eindringliches Bild: über altes Gemäuer hinweg ringsum die umbrische Landschaft, licht und grün, von einem gewaltigen Kreis hoher, noch mit Schnee bedeckter Berge eingeschlossen. Jeder Blick streift nah oder fern irgendeine alte berühmte heilige Stätte, da liegen Spoleto, Perugia, Assisi, Foligno, Spello, Terni, dazwischen hundert kleinere Orte, Dörfer, Kirchen, Höfe, Klöster, Burgen und Landhäuser, ein Land voll Geschichte, voll römischer und noch vorrömischer Denkmäler, durchflossen vom kleinen Fluss Clitumnus.“ (Hermann Hesse in Montefalco, 1907)

Weiterlesen

Heilige, Erdbeben und Linsengerichte

Der junge Giovanni Bernardone, Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers, führt ein sorgloses und freizügiges Leben. Als ein Krieg zwischen benachbarten Provinzen ausbricht, wird er, wie es für Männer seines Standes üblich ist, Soldat, um Ruhm und Ehre zu erwerben. Doch er gerät in Gefangenschaft und verbringt als Zwanzigjähriger mehrere Monate in Haft. Einige Zeit später passiert etwas Seltsames; Giovanni begegnet einem Aussätzigen, ist schockiert, fühlt sich abgestoßen ─ ein Schlüsselerlebnis. Fortan scheint er, der Angehörige der Oberschicht, die Lage der Armen, der Bettler und unversorgten Kranken mit anderen Augen wahrzunehmen. Wir befinden uns im Jahr 1206 und kennen den Mann aus Assisi besser unter seinem Spitznamen Francesco (Französlein), den man ihm wegen der Herkunft seiner Mutter verpasst hat. Franz sagt sich mit 25 öffentlich von seinem Vater los (Giottos Vorstellung von dieser Szene zeigt das obige Bild), verzichtet auf dessen Geld und widmet sein Leben fortan der tätigen Nächstenliebe und dem Glauben.

Weiterlesen

Rom, (Rück-)Blicke

Seit Jahrhunderten zieht es Reisende nach Rom. Wurden im Mittelalter vor allem Märtyrergräber und heilige Stätten aufgesucht, setzt im siebzehnten Jahrhundert der andauernde Bildungstourismus ein. Der heutige Besucher der Metropole wird  sicher nicht nur ein Selfie vor dem Kolosseum machen  und  eine Münze in den Trevi-Brunnen werfen wollen, er muss aus der Überfülle des Sehenswerten auswählen.

Weiterlesen

MANN – ganz geheim

Im Museo Archeologico Nazionale di Napoli gibt es ein so genanntes Geheimes Kabinett, das unter 14-Jährige nur in Begleitung Erwachsener betreten dürfen. Es enthält überwiegend Objekte aus Pompeji: Fresken, Skulpturen, Mosaike und Gegenstände des häuslichen Bedarfs, aber auch Grabstelen etruskischer Herkunft. Seit 1821, als die Fundstücke der Ausgrabungen nach verschiedenen Kriterien klassifiziert wurden, war die Sammlung entweder gar nicht oder nur eingeschränkt zu besichtigen. Zeitweilig war sogar der Zugang zugemauert. In Pompeji und Herkulaneum verbliebene Fresken erotischen Inhalts wurden mit Metalltüren versehen, die gegen eine besondere Gebühr für männliche Interessenten aufgeschlossen werden konnten. Bis in die 1960er Jahre hat man so die Frauen konsequent von diesen Artefakten ferngehalten. Erst im Jahr 2000 wurde die Sammlung dann allgemein zugänglich, seit 2005 ist sie in speziellen Räumen, ein wenig abseits der großen Säle und mit Warnschildern versehen, untergebracht.

Weiterlesen

Neapel sehen …?

Als Angehörige der Risikogruppe hören wir auf das, was uns die italienische Presse rät: Anziani a casa! Alte, bleibt zu Hause! In diesen Zeiten unterwirft man sich eben der Autorität der Virologen. Zumal heute die Nachricht kam, dass einige Regionen und Städte Norditaliens zur Sperrzone erklärt werden und sowieso im ganzen Land Museen, Theater und sonstige Orte, an denen Menschen aufeinander treffen, geschlossen sind. Wir haben also unsere für März geplante Reise nach Neapel, Benevento, Caserta und vor allem Herkulaneum und Pompeji auf unbestimmte Zeit verschoben. Im letzten Jahr waren wir auf der Rückreise von Sizilien im Archäologischen Museum von Neapel, das einen Teil der außerordentlichen Fresken Pompejis zeigt und eine einmalige Skulpturensammlung besitzt. Hier einige Eindrücke:

Weiterlesen

Der Staub der Jahrhunderte

 

Das fängt ja gut an! Unsere Reise nach Sizilien beginnt mit den heutzutage üblichen Problemen bei der Deutschen Bahn: Verspätungsalarm, Umbuchung, Zugausfall, Fehlinformationen. „Mit dem Zug nach Sizilien?“ Der Vielflieger wundert sich oder bekommt gleich ein schlechtes Gewissen, denn seit Greta zu einer Medien-Ikone geworden ist, macht sich nicht nur in Schweden ein Phänomen namens Flygskam (Flugscham) bemerkbar. Für das langsame Reisen sprechen indes noch andere Aspekte:  Begegnungen, der Wechsel der Landschaften, die Zeit für Lektüre, die allmähliche Annäherung an das Fremde.

Unterwegs nach Süden

Schon im ICE nach München ist uns ein junger Mann mit Hund aufgefallen; nun sitzen beide auf der Weiterfahrt nach Bologna in unserem Abteil. Vincenzo ist aus Bari, der Mischlingsrüde ist ihm dort zugelaufen, wurde Darwin genannt und hat ihn bei der Jobsuche nach Berlin begleitet.

Weiterlesen

Weltkultur und Schokolade – Sizilien von West nach Ost

Selinunt

Wer Siziliens Südküste und das Landesinnere erkunden will, tut dies am bequemsten
mit einem Mietwagen. Unser Fiat Panda, klein, schwarz und wendig, brachte uns
zuverlässig von Palermo nach Catania. Erste Station war Agrigent.

Alte Steine

Die ersten griechischen Kolonien auf Sizilien entstanden im 8. Jh. v. Chr., als Menschen, die vor Hunger und Bürgerkriegen flohen, hier eine neue Heimat fanden. Mit zunehmendem Wohlstand errichteten sie im Zentrum ihrer Ansiedlungen Kultstätten für die Götter. Selinunt ist eine der gut erhaltenen Tempelstädte, übertroffen wird sie allerdings durch Agrigent, das antike Akragas, das Pindar im 6. Jh v. Chr. als „Glanz liebende, schönste der sterblichen Städte“ rühmte. Von der auf
einem Felsenvorsprung gelegenen Neustadt streift der Blick über sanfte Hügel
hinab ins Tal der Tempel; besonders bei Nacht, wenn die Ruinen angestrahlt
werden, ein atemberaubendes Bild. Glücklich, wer hier ein Zimmer mit Aussicht findet! Weiterlesen