Mangiamo!

Eines der größten Vergnügen des Reisenden kann es sein, in fremden Ländern essen zu gehen, zumal in Italien. Man sollte sich nicht unbedingt auf TripAdvisor verlassen, der gern Schnellimbisse und Eisdielen auf seiner Hitliste anführt, eben das, was die jungen Fans der Bewertungsszene gut finden. Wir verlassen uns teils auf das Bauchgefühl (!), nur selten auf Reiseführer, wenn es geht, auf die Empfehlung verlässlicher Freunde.

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Salernos beste Zeit: Das Mittelalter  

„Ein ritter sô gelêret was, daz er an den buochen las …“. So beginnt das kurze Versepos des Hartmann von Aue, das er noch vor Ende des 12. Jahrhunderts verfasst hat: Der arme Heinrich. Interessant, dass Lesekompetenz offenbar nicht unbedingt Teil des ritterlichen Tugendkatalogs war. Die kleine legendenhafte Dichtung schildert das Schicksal eines wohl süddeutschen Ritters, der an Aussatz, also Lepra, erkrankt und nur durch das Blut einer sich freiwillig opfernden Jungfrau geheilt werden kann. Die findet er, sie ziehen zur medizinischen Hochschule in Salerno, wo ein Arzt das Opfer vollziehen soll…

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Guter Wind und lange Bärte?

Mit dem Regionalzug fahren wir von Caserta nach Benevento, wo von den Bergen des Sannio herab der namensgebende gute Wind seine Bewohner erfrischt. So ist man geneigt, den eigenen Wahrnehmungen Sinn zu verleihen, doch halt! Es hat sich wieder einmal ein falscher Freund aufgedrängt, denn Beneventum bedeutet „gutes Ereignis“ und ersetzte bei der Gründung der römischen Kolonie das vorher gebräuchliche Maleventum. (Geschichtsinteressierte können die Hintergründe der Namensgebung bei Wikipedia nachlesen). Die Stadt war durch die Via Appia direkt mit Rom verbunden und entwickelte sich so zu einem bedeutenden Handelsplatz. Vom Bahnhof kommend, folgen wir dem schnurgerade verlaufenden Viale Principe di Napoli, überqueren den Fluss Calore und sind schon im Centro Storico, direkt am Domplatz.

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Vanvitellis Meisterstück

Wer den an die Reggia anschließenden Park betritt, erstaunt über die Anlage, die zu einem künstlichen Wasserfall hin stetig ansteigt. Wenn man ihn erreicht hat, sind um die drei Kilometer zurückgelegt. . Für die Anstrengung wird man belohnt durch einige barock gestaltete Brunnen, die sich in streng rechteckige Becken ergießen, deren Wasser dann den nächsten Brunnen speist. Die meist der antiken Mythologie entsprungenen jeweiligen Brunnenfiguren begleiten die Besucher nach oben: Ceres, Äolus, Delphine (s.o.).

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Eine Dynastie trumpft auf: Caserta

Als wir mit dem Treno Alta Velocità auf Caserta zurasten, klang uns noch die berlinische Frage im Ohr: „Wat wollter denn da, bombastisches Schloss mit verwahrloster Wiese, in der Stadt nur Mafia!?“ Wir hatten den Ort als Ausgangspunkt für Zugfahrten nach Benevent und Salerno gewählt und dem Baedeker vertraut, der die Stadt mit einem Stern versehen und hinter ihren Namen die freundliche Formel „Das Versailles Italiens“ gesetzt hatte. Es stimmt: Der gewaltige Schlossbau drängt sich dem Besucher schon beim Verlassen des Bahnhofs auf.

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Ad alta velocità

Zurück aus Italien! Caserta, Benevento, Salerno, Napoli, Ercolano, Pompei. Wir sind in Zügen unterwegs gewesen. Zunächst von Berlin nach München mit dem ICE, der pünktlich ankam. Es blieb sogar noch ein wenig Zeit, um eine Leberkässemmel und eine Schnittlauchbrezn zu erwerben, denn leider ist pandemiebedingt der Speisewagen in den Zügen der ÖBB abgeschafft. Ein gesprächiger junger Mann aus Wien, der unaufgefordert sagt, er habe Wurzeln in Kuba und Sansibar, fährt mit seinem Wägelchen vorbei und verkauft Getränke aller Art, auch Almdudler (Limonade) und NullkommaJosef (alkoholfreies Bier). Gegen 20 Uhr Ankunft in Bologna, wo wir, wie schon oft, im Mercure-Hotel gleich gegenüber dem Bahnhof übernachten.

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Ein Land voll Geschichte

„Kalter scharfer Wind empfing mich auf der Höhe. Dicht in den Mantel gehüllt, sah ich ein schönes und eindringliches Bild: über altes Gemäuer hinweg ringsum die umbrische Landschaft, licht und grün, von einem gewaltigen Kreis hoher, noch mit Schnee bedeckter Berge eingeschlossen. Jeder Blick streift nah oder fern irgendeine alte berühmte heilige Stätte, da liegen Spoleto, Perugia, Assisi, Foligno, Spello, Terni, dazwischen hundert kleinere Orte, Dörfer, Kirchen, Höfe, Klöster, Burgen und Landhäuser, ein Land voll Geschichte, voll römischer und noch vorrömischer Denkmäler, durchflossen vom kleinen Fluss Clitumnus.“ (Hermann Hesse in Montefalco, 1907)

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Heilige, Erdbeben und Linsengerichte

Der junge Giovanni Bernardone, Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers, führt ein sorgloses und freizügiges Leben. Als ein Krieg zwischen benachbarten Provinzen ausbricht, wird er, wie es für Männer seines Standes üblich ist, Soldat, um Ruhm und Ehre zu erwerben. Doch er gerät in Gefangenschaft und verbringt als Zwanzigjähriger mehrere Monate in Haft. Einige Zeit später passiert etwas Seltsames; Giovanni begegnet einem Aussätzigen, ist schockiert, fühlt sich abgestoßen ─ ein Schlüsselerlebnis. Fortan scheint er, der Angehörige der Oberschicht, die Lage der Armen, der Bettler und unversorgten Kranken mit anderen Augen wahrzunehmen. Wir befinden uns im Jahr 1206 und kennen den Mann aus Assisi besser unter seinem Spitznamen Francesco (Französlein), den man ihm wegen der Herkunft seiner Mutter verpasst hat. Franz sagt sich mit 25 öffentlich von seinem Vater los (Giottos Vorstellung von dieser Szene zeigt das obige Bild), verzichtet auf dessen Geld und widmet sein Leben fortan der tätigen Nächstenliebe und dem Glauben.

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