Halbe Welt

Halbe mag manchem als Ort der so genannten Kesselschlacht zwischen dem 24. und 28. April 1945, die etwa 60 000Todesopfer forderte, ein Begriff sein. Viele der deutschen und sowjetischen Opfer wurden auf dem Waldfriedhof Halbe beigesetzt. Hier ruhen aber auch hingerichtete Deserteure der Wehrmacht, Zwangsarbeiter und Verstorbene aus dem sowjetischen Speziallager Ketschendorf. Seit 1990 gab es jeweils am Volkstrauertag Aufmärsche von Alt- und Neonazis in Halbe, bis 2006 das Versammlungsrecht auf Friedhöfen eingeschränkt wurde.

Inzwischen hat der Ort eine Sehenswürdigkeit ganz anderer Art aufzubieten: den Kaiserbahnhof, wo am letzten Sonntag die Ausstellung Halbe Welt eröffnet wurde. In der Region ansässige Künstler und Künstlerinnen haben zum Thema Krieg und Frieden Bilder, Objekte und Fotos bereitgestellt, die im alten Bahnhofsgebäude (neben dem Kaiserbahnhof), das in Zukunft einmal zum Esperantozentrum werden soll, ausgestellt werden. Noch sind die Räume erst provisorisch hergerichtet.

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Uckermärkisches Intermezzo

Zu Besuch bei Freunden in Lunow. Erst einmal K.‘s wunderbaren Garten besichtigen; hier gibt es 78 Tomatensorten zu bestaunen und zu verkosten. Besonders aromatisch ist die helle Snowball; sehr hübsch anzusehen die gelbe Citrina, einer der Lieblinge der Gärtnerin ist Ochsenherz Findling. Allerdings hat sie in diesem Jahr einige Verluste durch die Braunfäule hinnehmen müssen. Insekten aller Art fühlen sich in diesem Garten wohl, auch Eidechsen und sonstiges Getier.

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Quilitz, Marxwalde, Neuhardenberg

An Denkmälern für Friedrich II. fehlt es nicht, vom monumentalen Reiterstandbild Unter den Linden, das den Feldherrn und Herrscher in Uniform und Hermelin zeigt, bis zur Statue auf dem Friedrichshagener Marktplatz, die daran erinnert, dass der König das Kolonistendorf Friedrichsgnaden (!) für Baumwollspinner aus Böhmen und Schlesien gründen ließ.

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Rohkunstbau

Seit 25 Jahren stellen Berliner Künstler in den Sommermonaten ihre Werke im Umland aus. Seinen seltsamen Namen erhielt das Projekt im Gründungsjahr 1994, als es in einer großen Betonhalle in Groß-Leuthen stattfand, die 1989 für die Arbeiterfestspiele der DDR errichtet worden war und wegen der geänderten Zeitläufte ein Rohbau blieb. Nach Stationen in Potsdam und im Havelland und einer Unterbrechung wegen fehlender Fördergelder ist es in diesem Jahr im Barockschloss von Lieberose beherbergt.

Dieses war der Herrschaftssitz der Familie von der Schulenburg, wurde um 1750 als vierflügelige Anlage erbaut, im 2. Weltkrieg teilweise zerstört. Ein verbleibender Turm ist 1975 eingestürzt. Nun steht die 3000 m² große Anlage leer und die Brandenburgische Schlösser GmbH sucht dringend einen Käufer.

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Schifffahrt, Weinbau, Biotürme

Ausflüge in eine Braunkohlefolgelandschaft (2016 und 2020)

Damals war’s …

Wer schon länger vor der Schleifung der Mauer in Westberlin wohnte, hatte wenig Kontakt mit der DDR – es sei denn, er unterzog sich der Mühe, sich einen Passierschein ausstellen zu lassen und nach Umtausch von 25 Westmark in 25 Ostmark in die Hauptstadt der DDR aufzubrechen. Dort roch es zwar ein wenig anders als im Westen – das lag an den Trabis. Die Abgasluft aus den Kaminen der Wohnhäuser  aber hatte eine vergleichbare Duftnuance, und der Grund war, dass sie (Luft und Duft) in beiden Teilen der Stadt aus der Lausitz, einer im Westen nur erdkundlich Gebildeten bekannten Region, kamen.

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Kleine Fluchten

Spazierengehen ist erlaubt, sogar dann, wenn es nicht unmittelbar vor der eigenen Haustür ist. Also mal kurz in den Wanderführer geguckt, einen schönen Rundweg (Wald und Wasser) ausgesucht; 10 km, das ist gemütlich … und los!

Hier beginnt der Weg in Leuenberg, ein Abschnitt des 66-Seen-Wanderwegs.

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Noch einmal raus…

…jedenfalls bis auf weiteres. Denn eine Ausgangssperre wird kommen, früher oder später. Die rapide steigenden Fallzahlen, das Beispiel des umgebenden Auslands und die Unvernunft der Spaßgesellschaft lassen keinen anderen Weg zu.

Wir sind am Sonntag sehr früh nach Bad Saarow gefahren, konnten sogar – mit Sicherheitsabstand – im spärlich besetzten Bäckerei-Café Dreißig Kaffee trinken und dann auf der Seepromenade die Sonne genießen.

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Der Nobelpreisträger aus Erkner

Thiel wohnt in Schönschornstein und rudert jeden Tag mit dem Kahn hinüber nach Erkner, von wo aus er seinen Arbeitsplatz am Gottesbrücker Weg rechts vor der Bahnschranke erreicht. Wulkow muss mit seinem Schiff mehrere Tage an der Woltersdorfer Schleuse anlegen, weil ihn das Eis dort zurückhält. Henriette Jahn fährt am Totensonntag nach Rüdersdorf, um auf den Gräbern ihrer Eltern Lichter anzuzünden. Was diese drei Personen miteinander zu tun haben? Es sind Figuren aus dem Werk Gerhart Hauptmanns: aus „Bahnwärter Thiel“, „Der Biberpelz“ und „Die Ratten“.

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Sie wohnen hier nicht mehr

Ruth Berghaus (1927-1996) und Paul Dessau (1894-1979) haben in Zeuthen gewohnt, in einem Flachbau direkt an der Dahme, sozusagen auf einem Seegrundstück. Die Choreographin und Regisseurin und ihr Ehemann, der Komponist, arbeiteten häufig zusammen, sie inszenierten gemeinsam Ballette und Opern.

Lothar, ehemaliger Tänzer und Choreograph und heute mit seinen 81 Jahren immer noch gestrenger Leiter einer etwas angejahrten Truppe von Bewegungsfreudigen, erinnert sich an folgende Episode aus den sechziger Jahren: In der Staatsoper gab man „Die Liebe zu den drei Orangen“ von Sergej Prokofjew. Das Publikum war von den ungewohnten Klängen verstört und buhte ausdauernd. Paul Dessau habe vom Rang herab geschrien: „Ihr Idioten! Ihr habt ja gar keine Ahnung!“ und Ruth Berghaus habe hinter dem Vorhang ihm, dem jungen Eleven, aufgetragen, hochzulaufen und den Rasenden zum Schweigen zu bringen. Aber er habe sich nicht getraut. Weiterlesen