BER: groß, schön, leer

Der heutige Tag bot die letzte Gelegenheit, vor dem Lockdown noch einmal weiter als bis zum nächsten Edeka-Markt zu gelangen. Also auf zum Ort der Sehnsüchte, dem Tempel der Reisenden, dem Sprungbrett in die Ferne! Wir fliegen zwar nicht, aber angucken wollten wir uns den neuen Flughafen schon.Nun heißt er nach Willy Brandt, obwohl seinerzeit die CDU Marlene Dietrich oder Albert Einstein präferierte, wohingegen die Grünen den Tegeler Otto Lilienthal behalten wollten. Das gewünschte Kürzel BBI (Berlin Brandenburg International) ließ sich nicht durchsetzen, da es bereits an den indischen Flughafen Bhubaneswar vergeben war. Hier ein paar Impressionen von unserem Besuch:

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Brandenburger Barock

Wer die Kirche Mariä Himmelfahrt in Neuzelle betritt, glaubt angesichts der prächtigen Ausstattung, sich in Bayern oder Österreich zu befinden, ist aber gerade einmal 6 km von Eisenhüttenstadt entfernt. Neben dem Ruhm, das nördlichste Zeugnis süddeutschen und böhmischen Barocks in Europa zu sein, kann das Stift mit einer weiteren Sensation aufwarten: Seit 2017 leben hier wieder Mönche, zur Zeit sechs, von ihrem Mutterkloster Stift Heiligenkreuz in Österreich entsandt. Vorerst leben sie in einer Art WG im Pfarrhaus, aber ein Klosterneubau ist bereits angefangen. Und das im Gebiet der ehemaligen DDR, der mit Abstand gottesfernsten Region der Welt! Wer einmal Der Name der Rose von Umberto Eco gelesen hat (in den 80er Jahren als Raubdruck in Westberliner Kneipen verscherbelt), weiß, dass Mönche Stundengebete singen, und das tun sie auch hier, unsichtbar, von der Empore herab. Es beginnt um fünf Uhr früh mit den Vigilien und endet um 19.45 Uhr mit dem Komplet. Wir waren zur 30-minütigen Vesper um 18 Uhr da. Der freundliche Bruder, der die neugierigen Touristen anspricht, empfiehlt einen Platz im hinteren Kirchenteil, da sitze man etwas weniger unbequem, und reicht ein Buch mit den Texten der Stundengebete, zum Mitlesen, lateinisch und deutsch. Eine Hörprobe findet sich hier.

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Wo der Stahl gehärtet wird

„Und ab 1975 hatten wir hier Kabelfernsehen“, sagt Herr Harz, der Wert darauf legt, dass er sich nicht mit „tz“ schreibt, „ARD, ZDF, NDR 3, DDR1 und 2“. Er führt uns durch die Wohnsiedlung 1, erbaut für die Stahlarbeiter einer Stadt, die noch gar keinen Namen hatte. Unter dem Motto „Stahl, Brot, Frieden“ als sozialistische Planstadt errichtet, war sie ab 1953 Stalinstadt – für acht Jahre. Weitere Siedlungen entstanden, zunächst mit Zweiraumwohnungen von 45 qm. Die Gebäudekomplexe haben schlichte Fassaden, vermitteln aber durch vor- und zurückgesetzte Teilabschnitte nicht den Blockcharakter der späteren Plattenbauweise. Hochwertiges Material wurde verarbeitet: Haustüren und Einfahrten sind mit rotem Sandstein umrandet, Dächer mit Schieferplatten gedeckt, Fassadenbilder aus Meißner Porzellan gefertigt. In den Wohnsiedlungen 2 und 3 wird – fern jeglicher Bauhausästhetik – der Wille zum Ornament deutlicher: verschnörkelte Balkongitter, Stuckrosetten, Veranden im Fachwerkstil und  Reliefs mit figürlichen Darstellungen verschönern Fassaden. Die handwerklich meisterhafte Ausführung dieser „Kunst am Bau“ betont Herr Harz nicht ohne Stolz.

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Gräber

Im traurigen Monat November war’s… fühlte sich aber an wie ein goldener Oktober. 14 Grad waren angekündigt, aber am frühen Morgen ahnte man doch schon winterliche Temperaturen. Unsere erste Station war der Waldfriedhof in Halbe, dessen Vorgeschichte im Eingangsbereich auf Bild- und Texttafeln dargestellt wird.

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Halbe Welt

Halbe mag manchem als Ort der so genannten Kesselschlacht zwischen dem 24. und 28. April 1945, die etwa 60 000Todesopfer forderte, ein Begriff sein. Viele der deutschen und sowjetischen Opfer wurden auf dem Waldfriedhof Halbe beigesetzt. Hier ruhen aber auch hingerichtete Deserteure der Wehrmacht, Zwangsarbeiter und Verstorbene aus dem sowjetischen Speziallager Ketschendorf. Seit 1990 gab es jeweils am Volkstrauertag Aufmärsche von Alt- und Neonazis in Halbe, bis 2006 das Versammlungsrecht auf Friedhöfen eingeschränkt wurde.

Inzwischen hat der Ort eine Sehenswürdigkeit ganz anderer Art aufzubieten: den Kaiserbahnhof, wo am letzten Sonntag die Ausstellung Halbe Welt eröffnet wurde. In der Region ansässige Künstler und Künstlerinnen haben zum Thema Krieg und Frieden Bilder, Objekte und Fotos bereitgestellt, die im alten Bahnhofsgebäude (neben dem Kaiserbahnhof), das in Zukunft einmal zum Esperantozentrum werden soll, ausgestellt werden. Noch sind die Räume erst provisorisch hergerichtet.

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Uckermärkisches Intermezzo

Zu Besuch bei Freunden in Lunow. Erst einmal K.‘s wunderbaren Garten besichtigen; hier gibt es 78 Tomatensorten zu bestaunen und zu verkosten. Besonders aromatisch ist die helle Snowball; sehr hübsch anzusehen die gelbe Citrina, einer der Lieblinge der Gärtnerin ist Ochsenherz Findling. Allerdings hat sie in diesem Jahr einige Verluste durch die Braunfäule hinnehmen müssen. Insekten aller Art fühlen sich in diesem Garten wohl, auch Eidechsen und sonstiges Getier.

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Quilitz, Marxwalde, Neuhardenberg

An Denkmälern für Friedrich II. fehlt es nicht, vom monumentalen Reiterstandbild Unter den Linden, das den Feldherrn und Herrscher in Uniform und Hermelin zeigt, bis zur Statue auf dem Friedrichshagener Marktplatz, die daran erinnert, dass der König das Kolonistendorf Friedrichsgnaden (!) für Baumwollspinner aus Böhmen und Schlesien gründen ließ.

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Rohkunstbau

Seit 25 Jahren stellen Berliner Künstler in den Sommermonaten ihre Werke im Umland aus. Seinen seltsamen Namen erhielt das Projekt im Gründungsjahr 1994, als es in einer großen Betonhalle in Groß-Leuthen stattfand, die 1989 für die Arbeiterfestspiele der DDR errichtet worden war und wegen der geänderten Zeitläufte ein Rohbau blieb. Nach Stationen in Potsdam und im Havelland und einer Unterbrechung wegen fehlender Fördergelder ist es in diesem Jahr im Barockschloss von Lieberose beherbergt.

Dieses war der Herrschaftssitz der Familie von der Schulenburg, wurde um 1750 als vierflügelige Anlage erbaut, im 2. Weltkrieg teilweise zerstört. Ein verbleibender Turm ist 1975 eingestürzt. Nun steht die 3000 m² große Anlage leer und die Brandenburgische Schlösser GmbH sucht dringend einen Käufer.

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Schifffahrt, Weinbau, Biotürme

Ausflüge in eine Braunkohlefolgelandschaft (2016 und 2020)

Damals war’s …

Wer schon länger vor der Schleifung der Mauer in Westberlin wohnte, hatte wenig Kontakt mit der DDR – es sei denn, er unterzog sich der Mühe, sich einen Passierschein ausstellen zu lassen und nach Umtausch von 25 Westmark in 25 Ostmark in die Hauptstadt der DDR aufzubrechen. Dort roch es zwar ein wenig anders als im Westen – das lag an den Trabis. Die Abgasluft aus den Kaminen der Wohnhäuser  aber hatte eine vergleichbare Duftnuance, und der Grund war, dass sie (Luft und Duft) in beiden Teilen der Stadt aus der Lausitz, einer im Westen nur erdkundlich Gebildeten bekannten Region, kamen.

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Kleine Fluchten

Spazierengehen ist erlaubt, sogar dann, wenn es nicht unmittelbar vor der eigenen Haustür ist. Also mal kurz in den Wanderführer geguckt, einen schönen Rundweg (Wald und Wasser) ausgesucht; 10 km, das ist gemütlich … und los!

Hier beginnt der Weg in Leuenberg, ein Abschnitt des 66-Seen-Wanderwegs.

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