Eine Dynastie trumpft auf: Caserta

Als wir mit dem Treno Alta Velocità auf Caserta zurasten, klang uns noch die berlinische Frage im Ohr: „Wat wollter denn da, bombastisches Schloss mit verwahrloster Wiese, in der Stadt nur Mafia!?“ Wir hatten den Ort als Ausgangspunkt für Zugfahrten nach Benevent und Salerno gewählt und dem Baedeker vertraut, der die Stadt mit einem Stern versehen und hinter ihren Namen die freundliche Formel „Das Versailles Italiens“ gesetzt hatte. Es stimmt: Der gewaltige Schlossbau drängt sich dem Besucher schon beim Verlassen des Bahnhofs auf.

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Ad alta velocità

Zurück aus Italien! Caserta, Benevento, Salerno, Napoli, Ercolano, Pompei. Wir sind in Zügen unterwegs gewesen. Zunächst von Berlin nach München mit dem ICE, der pünktlich ankam. Es blieb sogar noch ein wenig Zeit, um eine Leberkässemmel und eine Schnittlauchbrezn zu erwerben, denn leider ist pandemiebedingt der Speisewagen in den Zügen der ÖBB abgeschafft. Ein gesprächiger junger Mann aus Wien, der unaufgefordert sagt, er habe Wurzeln in Kuba und Sansibar, fährt mit seinem Wägelchen vorbei und verkauft Getränke aller Art, auch Almdudler (Limonade) und NullkommaJosef (alkoholfreies Bier). Gegen 20 Uhr Ankunft in Bologna, wo wir, wie schon oft, im Mercure-Hotel gleich gegenüber dem Bahnhof übernachten.

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Bayreuth Baroque

Angereist waren wir zum 92. Geburtstag eines Verwandten, aber es ergab sich, dass zur gleichen Zeit das Bayreuth Baroque Festival im Markgräflichen Opernhaus (Weltkulturerbe!) stattfand. Wir sahen Carlo il Calvo von Nicola Antonio Porpora, inszeniert von Max Emanuel Cenčić. Der Countertenor hat 2020 das Festival zusammen mit dem Kulturmanager Clemens Lukas ins Leben gerufen und sang selbst den Lottario, laut Bayrischem Rundfunk „mit hysterischem Pathos“, was anerkennend gemeint war. Überhaupt war die Resonanz in den Medien sehr positiv.

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Sommerfrische der Literaten

Für unseren Abreisetag war betörendes Spätsommerwetter angesagt. Also verlängerten wir den Aufenthalt um eine Nacht und fuhren an die Ostsee. Wegen der guten Erreichbarkeit und weil wir es noch nicht kannten, fiel die Wahl auf Graal-Müritz, das, wie der Name vermuten lässt,  aus zwei Orten besteht. Der ältere ist Müritz, im Slawischen „Gegend am Meer“ bedeutend, und kann auf eine lange Tradition als Badeort zurückblicken: Seit 1820 tummelte man sich hier am Strand, ab 1880 konnten die betuchten Kreise im Luxushotel „Anastasia“ logieren. Graal  hieß eigentlich „Ort des Gral“, war aber nicht Schauplatz der Artus-Legende, sondern nach einem Verpächter von Grundstücken benannt. 1938 wurden die beiden Orte zwangsvereinigt. Ob das ohne Anwohnerproteste durchging, ist uns nicht bekannt. Vielleicht hatte man 1938 auch andere Sorgen.

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Spaziergang durch die Barlachstadt

Vom Ernst-Barlach-Museum, das sich unmittelbar neben dem Atelierhaus des Künstlers befindet, führt ein schöner Spazierweg, teils am Seeufer entlang, in den historischen Stadtkern Güstrows , der von zwei mächtigen Kirchen dominiert wird. Unweit des Marktplatzes, der von gut restaurierten Renaissance-Häusern gesäumt ist, thront die Evangelische Pfarrkirche St. Marien, deren wertvollster Kunstschatz ein spätmittelalterlicher Flügelaltar ist. An einem Pfeiler hängt ganz unspektakulär der Engel der Hoffnung, ein Terrakottarelief Barlachs.

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Aus der Ferne

Bruno Krauskopf: Norwegische Landschaft (1934); Sammlung Memoria

Der Titel der Ausstellung ist Programm. Thomas B. Schumann, von dem auf diesen Seiten schon die Rede war, sammelt seit seiner Jugendzeit Werke von Künstlern, die vor und während der NS-Herrschaft ins Exil getrieben wurden und teilweise auch in der Nachkriegszeit keinen Anschluss mehr an den Kunstmarkt fanden. Erst in jüngster Zeit sind einige von ihnen, z. B. Lotte Laserstein und Charlotte Berend-Corinth, „wiederentdeckt“ und in Ausstellungen präsentiert worden. Thomas B. Schumann verleiht seine Schätze großzügig, zuletzt an die Ernst Barlach Stiftung in Güstrow, aber er konnte immer noch nicht seinen Lebenstraum realisieren: ein Museum des Exils als dauerhafte Bleibe für seine Sammlung Memoria zu gründen, möglichst im Rheinland.

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Verkannt, verdrängt, vergessen

Das Bauhaus-Gebäude in Weimar, erbaut 1904-1911 von Henry van de Velde. Foto: Ralf Hermann/Wikipedia

Wer kennt nicht die hell- und mittelblau gestreiften Keramikarbeiten von Hedwig Bollhagen aus Marwitz, die auf der Unterseite ein eingeritztes oder aufgemaltes HB als Markenzeichen tragen? Das berühmte Dekor prangt auf Butter- und Keksdosen, Tassen und Tellern und wird seit Jahrzehnten gern gekauft. Bollhagen übernahm 1934 eine bestehende Keramik-Werkstatt, die sie ab 1946 selbstständig leitete und erfolgreich durch Verstaatlichung und Reprivatisierung führte. Die Jahreszahlen sollten indes aufhorchen lassen, vor allem wenn man weiß, dass die Vorbesitzerin Margarete  Heymann-Loebenstein nach England emigrieren musste. Die geschönte Firmengeschichte, die sich vielerorts findet, verschweigt manches.

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Das Bauhaus in Weimar

1995 war ein kleiner Bestand der Bauhaus-Sammlung in einem Provisorium, der Remise am Theaterplatz, untergebracht worden. Der Museumsbesuch war für Enthusiasten oft enttäuschend. Seit kurzem lohnt es sich aber wieder, Weimar nicht nur der Klassiker wegen zu besuchen.

Das neue Bauhaus-Museum, 2019 zum 100-jährigen Gründungsjubiläum eröffnet (Architektin: Heike Kanada), ein Kubus mit 5 Ebenen, durch 24 horizontale LED-Linien gegliedert, die bei Dunkelheit leuchten.

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Nach Weimar

Eigentlich wollten wir die BUGA in Erfurt besuchen, aber bei der Annäherung an das Ausstellungsgelände im ega-Park sahen wir nacheinander einen wegen Überfüllung geschlossenen Parkplatz, Menschentrauben vor den Eingängen und von Reisebussen herbeiströmende weitere Hundertschaften. So viel drangvolle Enge schreckte uns ab, zumal in Zeiten von COVID. Also gleich weiter nach Weimar!

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Ansichten vom Niederrhein (III)

Der Tag vor der Abreise soll ohne fest geplante Ziele verlaufen.  In der Rückschau erweist sich jedoch meist, dass man Orte die angesteuert hat, die man immer aufsucht: das Senflädchen, den Kultbäcker Hinkel, den Arganölimporteur am Karlsplatz und nach dem Besuch des dortigen  Markts mit Produkten niederrheinischer Bauern das Café de Bretagne mit seinen Fischspezialitäten.

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