Nach Weimar

Eigentlich wollten wir die BUGA in Erfurt besuchen, aber bei der Annäherung an das Ausstellungsgelände im ega-Park sahen wir nacheinander einen wegen Überfüllung geschlossenen Parkplatz, Menschentrauben vor den Eingängen und von Reisebussen herbeiströmende weitere Hundertschaften. So viel drangvolle Enge schreckte uns ab, zumal in Zeiten von COVID. Also gleich weiter nach Weimar!

An der Autobahn hatte bei der Hinfahrt eines der braunen Schilder, die gemeinhin touristische Highlights signalisieren, unsere Aufmerksamkeit erregt. Die „Thüringer Kloßwelt“ in Heichelheim lag quasi auf dem Weg und versprach ein schmackhaftes Mittagessen. Nun ja, das sehr einfache Lokal mit Selbstbedienung in einem Anbau der Kloßfabrik wäre noch durchgegangen, aber das Essen war eine Enttäuschung: mehrfach aufgewärmt, daher geschmacklos, kleine Portion zum durchaus stolzen Preis. Wir raten Kloß-Enthusiasten ab.

Nun waren wir aber schon am Ettersberg und wollten die durch die Auslassung der BUGA gewonnene Zeit nutzen, um Schloss Ettersburg zu besuchen. Geparkt wurde nahe der Straße, die zum ehemaligen KZ Buchenwald führt, das wir bei anderen Gelegenheiten schon mehrfach besucht haben. Ein Waldweg führte nach einer halben Stunde zu einer Lichtung, Teil des von Pückler-Muskau gestalteten Schlossparks, die einen wunderbaren Blick auf das Ziel bot.

Das ehemalige Jagdschloss wurde 1706 -12 erbaut und in der Epoche der Weimarer Klassik von den Geistesgrößen der Zeit, Wieland, Goethe, Herder u.a.m frequentiert. Anna Amalia hatte es zu ihrer Sommerresidenz erkoren, ließ Theaterstücke aufführen und scharte die unterhaltsamen Schriftsteller um sich. 1780 hielt sich auch Schiller hier auf und schrieb seine Maria Stuart zu Ende. Ab diesem Jahr zog der Hof den Sommer über nach Tiefurt und so verlor Ettersburg einiges von seinem Glanz. 

Nach einer Kaffeepause auf der Caféterrasse, die einen grandiosen Ausblick auf das ansteigende Gelände des Schlossparks erlaubt, gingen wir zurück, verirrten uns aber so gründlich im Wald, dass wir ungefähr 10 Kilometer sinnlos herumliefen. Allerdings entdeckten wir so die parallel zur so genannten Blutstraße verlaufende ehemalige Bahntrasse nach Buchenwald, die zum Gedenkweg Buchenwaldbahn geworden ist. Die Zahl der Menschen, die im KZ den Tod fanden, wird auf etwa 56.000 geschätzt, darunter 15.000 Sowjetbürger, 7000 Polen, 6000 Ungarn und 3000 Franzosen. Feldsteine erinnern an einige von ihnen (s. Foto oben).

Lichthof im Hotel Elephant

Schließlich erreichten wir doch noch Weimar, wo das traditionsreiche Hotel Elephant unser Domizil war.

„Der Kellner des Gasthofes Zum Elefanten in Weimar, Mager, ein gebildeter Mann, hatte an einem fast noch sommerlichen Tage ziemlich tief im September des Jahres 1816 ein bewegendes, freudig verwirrendes Erlebnis. Nicht, dass etwas Unnatürliches an dem Vorfall gewesen wäre; und doch kann man sagen, dass Mager eine Weile zu träumen glaubte.

Mit der ordinären Post von Gotha trafen an diesem Tage, morgens nach acht Uhr, drei Frauenzimmer vor dem renommierten Hause am Markt ein,…“

Wir wussten zwar, dass Thomas Manns Roman Lotte in Weimar teilweise hier spielt, waren aber doch überrascht, im Hotelzimmer eine Lade mit einem Brief des Schriftstellers vorzufinden. Ob er echt war oder ein Faksimile, ließ sich nicht entscheiden. Wir vergaßen nachzufragen.

 

(Wird fortgesetzt)

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