Buchinger in Bevensen

Die Ratsapotheke – das älteste Haus der Stadt.

Im Dezember kam einiges zusammen: diverse Advents- bzw. Jahresabschlussfeiern, das Plätzchenpaket von Tante Marlene, die Weihnachtsgans bei Angela, so dass die gewohnte Bekleidung zwickte und zwackte und der morgendliche Blick auf die Waage zur Mutprobe wurde. Zudem haben wir mehrfach gute Erfahrungen mit dem Fasten gemacht, im Ergebnis neben dem Gewichtsverlust eine allgemeine Belebung und sehr deutliche Blutdrucksenkung. Nach dem Bayrischen Wald und der Sächsischen Schweiz in den Vorjahren fiel diesmal die Wahl auf die Lüneburger Heide. Bad Bevensen ist gut mit der Bahn erreichbar und bietet alle nur denkbaren Annehmlichkeiten für den Kurgast. Bei Langeweile sind Ülzen und Lüneburg schnell erreichbar.

Frühstück

Mittagessen

Buchinger-Fasten heißt, auf feste Nahrung zu verzichten. Es gibt Wasser und Kräutertee in beliebiger Menge sowie mittags und abends nach Wahl klare Gemüsebrühe (ohne Salz!) oder frisch gepressten Saft aus Gemüse oder Obst. Bevor es losgehen kann, wird gelöstes Glaubersalz getrunken: unangenehm, aber ein probates Mittel, um den Darm zu reinigen. Wenn der Verdauungstrakt erst einmal stillgelegt ist, hat man keinen Hunger mehr. Allenfalls phantasiert man vom Essen.

Abendessen

Im Speiseraum unseres Hotels hat man alle Abnehmwilligen zusammen gesetzt, so dass sich schnell Kontakte ergeben. Die einen machen Basenfasten, was eher eine Diät auf der Basis von Gemüse und Obst ist, die anderen bekommen Reduktionskost mit 800, 1000 oder 1200 Kalorien. Auch die Schrothkur ist gut vertreten; kein Wunder, denn die fröhlichen Faster bekommen an ihren „trockenen“ Tagen einen Wacholderschnaps, an den „feuchten“eine Karaffe mit Weißwein. Schwimmbad und Sauna stehen zur Verfügung, verschiedene Gymnastikformen und Nordic Walking unterstützen die Fettverbrennung, so man die Angebote wahrnimmt.

Wer dann immer noch Energie hatte, konnte im Kurhaus dem Neujahrskonzert (Wagner, Martinů, Rachmaninov) lauschen oder bei den Darbietungen des volkstümlichen Shantychors den Refrain mitsingen (Blow, boys, blow, for Californio…) und schunkeln.

Bad Bevensen verfügt über eine große Kurklinik „Diana“, einen uninspirierten Neubau mit allerhand aufgeschichteten oder aneinandergereihten bläulichen Würfeln, denen weitere horizontal oder vertikal zugefügt werden könnten. Arbeitsplätze bietet nicht nur Diana, sondern auch eine Reihe von Kurhotels und Pensionen offerieren allerhand Gesundheitsförderliches: vielfältige Massagen, Pools, Saunen, Fitnessräume …. Den beschaulichen Ort durchfließt die Ilmenau, an deren Ufer man zum Kloster Medingen spazieren kann, das heute eine Heimvolkshochschule (Gustav-Stresemann-Institut) beherbergt, in der auch der Kurgast sich weiterbilden kann. Am Ostrand des Städtchens liegt das schnurgerade Band des Elbe-Seitenkanals. Radfahrer, Nordic-Walker, Gassigeher  können Lastkähne bewundern, die ihre Ladung von der Elbe zum Mittelland-Kanal oder in die umgekehrte Richtung transportieren.

Wir sind in der Heide, da ist der Heidedichter Hermann Löns nicht fern. Auch in Bad Bevensen gedenkt man seiner.  Er war Journalist, hat Tiergeschichten, Romane und Lyrisches verfasst, setzte sich für den Naturschutz ein. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs ist er gefallen. Ein wuchtiger Gedenkstein ragt aus einem zusammenhängenden Heidekrautareal am Rande der Stadt. Nach wie vor beliebt ist die Vertonung von Löns‘ „Auf der Lüneburger Heide“. Nicht nur Heino, auch Roy Black hat das Lied gesungen.

Im Ergebnis sind insgesamt 5 kg (= 20 Päckchen Butter) in Bad Bevensen geblieben, der Blutdruck ist wieder der aus jüngeren Jahren, die Essgewohnheiten sind (vorerst) vernünftiger geworden und zumindest der Januar bleibt trocken (trendgerecht heißt das: dry january).

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